Start der Praxiswerkstätten zur DDR-Geschichtsvermittlung an der Universität Leipzig

In der vergangenen Woche fand am im Rahmen des BMBF-Forschungsprojektes „Soziologie der außerschulischen Geschichtsvermittlung“ am Institut für Kulturwissenschaften ein zweitägiger Workshop zur DDR-Geschichtsvermittlung statt. Insgesamt 26 Kolleg*innen aus über 20 Institutionen aus dem Bereich der historisch-politischen Bildung waren eingeladen, um sich zu vernetzen und sich über ihre Arbeit in den jeweiligen Bildungsstätten auszutauschen. Die Praxiswerkstätten sollen zukünftig zwei Mal im Jahr an der Universität Leipzig durchgeführt werden.

Nachdem es am ersten Tag darum ging, sich als kontinuierlich zusammenarbeitende Gruppe kennen zu lernen, standen am zweiten Tag gemeinsame Reflektionen zum Thema „Der außerschulische Lernort - Selbstverständnis und Erwartungen an Bildungsarbeit mit Jugendlichen außerhalb der Schule“ im Mittelpunkt. Deborah Krieg von der Bildungsstätte Anne Frank (Frankfurt/M.) gab dazu wichtige inhaltliche Impulse für eine produktive Auseinandersetzung der Teilnehmenden. In einem Expert*innengespräch gewährte sie interessante Einblicke in ihre langjährige Arbeit als Bildungsreferentin.

Der Workshop fand digital statt und wurde auf zwei Termine gesplittet. Bereits Mitte Oktober trafen sich die ersten 13 Teilnehmenden online, nun arbeitete die zweite Gruppe zusammen. Wir bedanken uns für die äußerst konstruktive Zusammenarbeit und freuen uns auf die kommenden Workshops.

Die Teilnehmenden
Das Online-Plenum
Referentin Deborah Krieg

Friedliche Revolution 2.0? Zur performativen Aneignung von 1989 durch „Querdenken“ am 7. November 2020 in Leipzig

Am 7. November mobilisierte die Bewegung „Querdenken“ bundesweit nach Leipzig, um gegen die in der Corona-Pandemie getroffenen Maßnahmen zu demonstrieren. Dabei wurde bereits im Vorfeld dazu aufgerufen „Geschichte gemeinsam [zu] wiederholen“ und in vielfältiger Weise auf die Proteste des Herbstes 1989 Bezug genommen. Auch die gewählten Demonstrationsorte sowie die Aufrufe mit Kerzen um den Leipziger Innenstadtring zu laufen, kündigten den Versuch einer Reinszenierung der historischen Montagsdemonstrationen an. Deshalb haben wir uns entschieden, uns das Demonstrationsgeschehen am 7.11. genauer anzusehen.

Auf Grundlage der Demonstrationsbeobachtung ist nun von unserer Kollegin Greta Hartmann zusammen mit der Historikerin Dr. Sabine Stach ein erster Text zur performativen Aneignung von 1989 durch „Querdenken“ erschienen. Der Text ist ab sofort auf zeitgeschichte|online zu finden, einem Internetportal des Leibniz-Zentrums für Zeithistoritsche Forschung in Potsdam, dessen Beiträge gegenwärtigen gesellschaftlichen Konflikten, Diskursen und Ereignissen einen historischen Kontext bieten wollen.

[Link zum Text auf zeitgeschichte|online]

NEU: Unsere Website 89goespop.de

Ein Anliegen des Projektverbundes ist der kontinuierliche Transfer von Wissen und Ergebnissen aus unserer Forschungen auch an breitere Öffentlichkeiten. In dem Zusammenhang präsentiert das Teilprojekt zu Populären Darstellungen von `89 die Website www.89goespop.de.

Hier widmen wir uns dem weiten Feld der populären Geschichtskultur, das gerade in den letzten Jahren – zumal im Kontext der Jubiläen zu 1989 und Wiedervereinigung – einen Boom erlebt hat. Entlang der Kategorien Musik, Digitales, Film und Literatur stellen wir auf der Website das recherchierte Material vor, betten es in Kontexte ein, liefern prägnante Einführungen und erste Analysen.

Die Website wird kontinuierlich erweitert. Aktuell liegt der Schwerpunkt auf Popmusik, die als Medium des Erinnerns an 1989 bislang wenig beachtet und erforscht wurde. Zudem präsentieren wir einige Empfehlungen aus dem Netz.

Die Website richtet sich an alle Interessierte. Ein wichtiges Anwendungsgebiet sehen wir für die Arbeit an Schulen und in der historisch-politischen Bildung.

Wir freuen uns über Kommentare und Rückmeldungen unter info@89goespop.de.

Auswirkungen und Herausforderungen der COVID-19-Pandemie im Handlungsfeld der außerschulischen historisch-politischen Bildung zur DDR – Zusammenfassung einer Kurzerhebung

Die Covid-19-Pandemie prägt seit Monaten große Teile des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Eine Reihe von Schutzmaßnahmen verändern gewohnte Interaktions- und Kommunikationsmöglichkeiten. Davon sind Bildungseinrichtungen im besonderen Maße betroffen. Vor diesem Hintergrund hat das Forschungsprojekt „Soziologie der außerschulischen Geschichtsvermittlung“ anhand eines Fragebogens die aktuellen Herausforderungen, Problemlagen und Chancen außerschulischer Jugendbildungsinstitutionen mit dem Themenschwerpunkt DDR-Geschichtsvermittlung erfasst. Im Fokus standen dabei neben der Umstrukturierung des Arbeitsalltags und der Arbeitsorganisation, auch inhaltliche und methodische Veränderungen der Vermittlungsarbeit sowie sich ändernde Kommunikationsformen und Rahmenbedingungen.

Lesen Sie hier den ausführlichen Bericht [PDF]

Rückfragen richten Sie bitte an Christina Schwarz (christina.schwarz@uni-leipzig.de)

"89 goes Pop" jetzt auch auf Instagram

Folgen Sie unserem Account. Hier gibt es aus dem Projekt "Populäre Darstellungen zu 1989" regelmäßig Einblicke, Funde und Aktuelles zur 'langen Geschichte der Wende'. Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!

FRISTVERLÄNGERUNG! Die Ausschreibung für die Praxiswerkstätten für historisch-politische Bildner*innen läuft noch bis 15. April 2020!

Ab Mai 2020 sollen am Institut für Kulturwissenschaften der Universität Leipzig regelmäßig Praxiswerkstätten für Bildner*innen aus dem Bereich der außerschulischen DDR-Vermittlung angeboten werden. Die Werkstätten sollen einen kollegialen Austausch sowie die wissenschaftliche Reflektion der Vermittlungspraxis ermöglichen. Die Ausschreibung wird auf Grund der aktuellen Lage verlängert: Interessierte Praktiker*innen des Feldes sind eingeladen, sich bis zum 15. April 2020 mit einem kurzen Motivationsschreiben für die Teilnahme zu bewerben. Die Praxiswerkstätten finden im Rahmen des Teilprojektes "Soziologie der außerschulischen Geschichtsvermittlung" des BMBF-Forschungsverbundes "Das umstrittene Erbe von 1989" statt. 

Lesen Sie hier die ausführliche Ausschreibung.

Rückfragen und Bewerbungen richten Sie bitte an:
Christina Schwarz (christina.schwarz@uni-leipzig.de)

Auftakttagung: Erbe ’89. Politisierung der Erinnerung – Deutungsversuche und Erklärungsansätze

Am 29. und 30. November fand in Leipzig unsere Auftakttagung statt. Wir möchten uns noch einmal bei allen Beteiligten herzlich bedanken – vor allem für die anregenden Vorträge und Diskussionen.

Unsere Tagung fand einige mediale Aufmerksamkeit. So berichtete der Deutschlandfunk in „Aus Kultur- und Sozialwissenschaften“ am 5. Dezember. Landeskorrespondent Bastian Brandau sprach mit der Projektmitarbeiterin Greta Hartmann über den umkämpften Charakter von ’89, mit der Historikerin Ute Frevert über das Narrativ der Demütigung in Ostdeutschland sowie mit Anna Lux, ebenfalls Mitarbeiterin im Projekt, über ostdeutsche Identitätsverhandlungen in der Popmusik: [Direktlink zum Audiobeitrag im Archiv des Deutschlandfunk]

Ein Tagungsbericht von Mandy Tröger und Daria Gordeeva findet sich auf dem Blog „Das mediale Erbe der DDR“: https://medienerbe.hypotheses.org/1007

Bereits einige Tage vor der Tagung berichtete Radio Corax in einem Gespräch mit Greta Hartmann über die Schwerpunkte der Tagung: https://radiocorax.de/erbe-89-politisierung-der-erinnerung/

Nils Kahlefendt blickt für MDR Kultur auf die Tagung zurück. Neben Interviews mit den ProjektmitarbeiterInnen Anna Lux und Alexandner Leistner bietet das Feature ausführlichere O-Töne nebst Einordnung von David Begrich, Toralf Staud, Karl-Siegbert Rehberg, Barbara Thériault, Ute Frevert und Andreas Kötzing - verbunden durch von der Tagung oder ihrem Thema inspirierte, popkulturelle Einschübe: https://www.mdr.de/kultur/radio/ipg/sendung867650.html

Greta Hartmann, Alexander Leistner und Monika Wohlrab-Sahr
Anregende Diskussionen
Ute Frevert, Anna Lux und Hedwig Richter im Gespräch

„Letztes Jahr Titanic“. Momentaufnahmen einer verunsicherten Zeit (1989/90). Filmvorführung und -gespräch

Am Vorabend der Tagung (28. November) zeigten wir den Dokumentarfilm "Letztes Jahr Titanic" (1991) von Andreas Voigt und diskutierten mit dem Regisseur. Der Film spielt zwischen Dezember 1989 und Dezember 1990 in Leipzig. Er reiht Absurdes an Berührendes, Wut steht neben Angst und Freude. Der tiefgreifende Umbruch und die Verunsicherungen werden in jedem Gespräch spürbar, das der Regisseur führt, egal ob mit Arbeitern, einer Journalistin oder mit Jugendlichen. Der Film spiegelt die vielschichtigen Erfahrungen dieser Zeit, ist Tragödie und Groteske gleichermaßen. Zudem ist der Film auch hochaktuell. Entsprechend groß war das Interesse, der Saal mit 200 Plätzen in der Leipziger Albertina fast vollständig besetzt. Die Abendveranstaltung fand in Zusammenarbeit mit dem Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung statt.

Tina Flux im Gespräch mit Andreas Voigt
Filmausschnitt "Letztes Jahr Titanic"
Zuschauer*innen am Eröffnungsabend


 

„Zur Aktualität von 1989 als Widerstandserzählung“ - neue Projektpublikation

Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „Aus Politik und Zeitgeschichte“, herausgegeben von der Bundeszentrale für politische Bildung, widmet sich dem 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution. Unter dem Titel "Das letzte Jahr der DDR" versammelt das Heft Beiträge u.a. zur Frage wofür die friedliche Revolution 30 Jahre nach dem Mauerfall steht und welche Rolle die Erinnerung in aktuellen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen in Ostdeutschland spielt. Greta Hartmann und Alexander Leistner aus dem Teilprojekt zur "Politisierung von 1989" haben dafür einen Aufsatz beigetragen, der einen Abriss über geschichtpolitische Bezugnahmen und Instrumentalisierungen von 1989 im Kontext von Protestbewegungen liefert. Dabei wird auch die Rolle von 1989 in den aktuellen ostdeutschen Wahlkämpfen beleuchtet. Eine Übersicht der aktuellen Debatte über die Instrumentalisierung der friedlichen Revolution hat die Robert Havemann Gesellschaft erstellt. Sie dokumentiert dort Stellungnahmen und Zeitungsbeiträge zu dieser Diskussion.

 

Szenische Lesung mit Manja Präkels

1989/90. Brandenburgische Provinz. Landleben zwischen Lethargie und Lebenslust. Mimi und Oliver sind Nachbarskinder und Angelfreunde. Sie spielen Fußball zusammen und berauschen sich bei Familienfesten an den Schnapskirschen ihrer Eltern. Mit dem Mauerfall zerbricht ihre Freundschaft. Mimi wird zur linken Zecke, Oliver unter dem Kampfnamen Hitler zum Anführer von marodierenden Jugendbanden.

In ihrem Debütroman erzählt die 1974 in Zehdenick/Mark geborene Autorin Manja Präkels von Jugendlichen zur Wendezeit. Es geht um das Verschwinden von Vertrautem, um Freundschaften und Wut, um Aufbrüche und Weggehen und um die Frage, wie damit umgehen, wenn die eigene Heimat Angst macht. Der Roman Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß ist autobiographisch geprägt. Es ist ein historisches Buch und ein hochaktuelles. Präkels erhielt für ihren Roman 2018 u.a. den Jugendliteraturpreis sowie den Anna-Seghers-Preis. Sie gehört heute zu den wichtigsten Stimmen zum Thema Rechtsextremismus und Ostdeutschland.