1989 und alltagsweltliche Demokratie­verständnisse

Das Projekt zur Politisierung von ’89 zielt auf die Rekonstruktion typischer alltagsweltlicher Demokratieverständnisse, ihren Bezug auf ’89 sowie auf aktuelle politische Verhältnisse. Zielfragen sind: Was sind strukturbildende Elemente für die Konstitution privater Erinnerungen an ’89? Welche alltagsweltlichen Demokratievorstellungen werden aus DDR- und ’89-Erfahrungen abgeleitet und welche Bedeutung haben diese für die Deutungen aktueller politischer Verhältnisse? Wie werden DDR-bezogene Deutungen des Politischen intergenerational ausgehandelt, tradiert oder abgeschwächt?

Die Studie nimmt private, bisher kaum erforschte Kontexte – Familie, FreundInnen und Bekannte sowie ArbeitskollegInnen – in den Blick, die, so unsere These, eine wesentliche Rolle bei der Aushandlung politischer und gesellschaftlicher Themen spielen. Entsprechend kombiniert das Projekt familienbiografische Interviews mit Gruppendiskussionen innerhalb sog. Natürlicher Gruppen. Diese Kombination erlaubt es, mögliche Kontraste zwischen unterschiedlichen Arenen der politischen Meinungsbildung bzw. -verstärkung und je eigene Aushandlungslogiken in den Blick zu nehmen. Die erhobenen Interviews werden in einer Verbindung von Sequenzanalyse und Kodierung nach dem Prinzip der Grounded Theory ausgewertet. Das Teilprojekt soll einen Beitrag zum tieferen Verständnis der politischen Kultur in Ostdeutschland liefern. Es bietet Anhaltspunkte für die Weiterentwicklung der politisch-historischen Bildung als Demokratiebildung.