1989 und alltagsweltliche Demokratie­verständnisse

Das Projekt zur Politisierung von ’89 zielt auf die Rekonstruktion typischer alltagsweltlicher Demokratieverständnisse, ihren Bezug auf ’89 sowie auf aktuelle politische Verhältnisse. Zielfragen sind: Was sind strukturbildende Elemente für die Konstitution privater Erinnerungen an ’89? Welche alltagsweltlichen Demokratievorstellungen werden aus DDR- und ’89-Erfahrungen abgeleitet und welche Bedeutung haben diese für die Deutungen aktueller politischer Verhältnisse? Wie werden DDR-bezogene Deutungen des Politischen intergenerational ausgehandelt, tradiert oder abgeschwächt?

Die Studie nimmt private, bisher kaum erforschte Kontexte – Familie, FreundInnen und Bekannte sowie ArbeitskollegInnen – in den Blick, die, so unsere These, eine wesentliche Rolle bei der Aushandlung politischer und gesellschaftlicher Themen spielen. Entsprechend kombiniert das Projekt familienbiografische Interviews mit Gruppendiskussionen innerhalb sog. Natürlicher Gruppen. Diese Kombination erlaubt es, mögliche Kontraste zwischen unterschiedlichen Arenen der politischen Meinungsbildung bzw. -verstärkung und je eigene Aushandlungslogiken in den Blick zu nehmen. Die erhobenen Interviews werden in einer Verbindung von Sequenzanalyse und Kodierung nach dem Prinzip der Grounded Theory ausgewertet. Das Teilprojekt soll einen Beitrag zum tieferen Verständnis der politischen Kultur in Ostdeutschland liefern. Es bietet Anhaltspunkte für die Weiterentwicklung der politisch-historischen Bildung als Demokratiebildung.

Aktuelle Veröffentlichungen

Hartmann, Greta (2021): "Wir 89er" – geschichtspolitische Aneignungen der Erinnerung und alltagsweltliche Resonanzen. In: Leistner/Wohlrab-Sahr (Hrsg.): Das umstrittene Erbe von 1989. Köln/Weimar/Wien: Böhlau, S. 145-165.

Hartmann, Greta; Leistner, Alexander; Lux, Anna & Christina Schwarz (2021): Vom Sichtbarwerden des (Un-)Sichtbaren im Modus des Populären. Popularisierung, Populismus, Geschichtsvermittlung – und 1989. In: Marcus Böick, Constantin Goschler und Ralph Jessen (Hrsg.): Jahrbuch Deutsche Einheit 2021. Berlin: Ch. Links Verlag, S. 31-50.

Stach, Sabine & Greta Hartmann (2020): Friedliche Revolution 2.0?. Zur performativen Aneignung von 1989 durch „Querdenken“ am 7. November 2020 in Leipzig. In: Zeitgeschichte-online, November 2020.

Hartmann, Greta und Alexander Leistner (2019): Umkämpftes Erbe. Zur Aktualität von „1989“ als Widerstandserzählung. In: Aus Politik und Zeitgeschichte 69 (35-37), S. 18-24.

Leistner, Alexander & Monika Wohlrab-Sahr (Hrsg.) (2021): Das umstrittene Erbe von 1989. Zur Gegenwart eines Gesellschaftszusammenbruchs. Köln/Weimar/Wien: Böhlau.

Leistner, Alexander & Julia Böcker (2021): "Im Osten geht die Sonne auf" – Nostalgie als soziologische Erklärung der Gegenwart von Vergangenheit in Ostdeutschland? (zusammen mit Julia Böcker). In: Zeithistorische Forschungen, S. 133-139.

Leistner, Alexander & Anna Lux (2021): Von der Uneindeutigkeit des Widerstands. Um- und Neudeutungen der „Friedlichen Revolution“ seit 1989. In: Jörg Ganzenmüller (Hrsg.): Die revolutionären Umbrüche in Europa 1989/91: Deutungen und Repräsentationen. Köln/Weimar/Wien: Böhlau 2021, S. 207-235.

Leistner, Alexander & Sabine Stach (2021): Leipzig, 7. November 2020: "Querdenken". In: Martin Langebach (Hrsg.): Zeitbild: Protest in Deutschland seit 1945. Bonn: Bundeszentrale für Politische Bildung, S. 388-393.

Langebach, Martin & Alexander Leistner (2021): 24. November 2014 – Spaziergang durch Dresden. In: Martin Langebach (Hrsg.): Zeitbild: Protest in Deutschland seit 1945. Bonn: Bundeszentrale für Politische Bildung, S. 366-371.

Leistner, Alexander (2021): Bis hierher und wie weiter? Zur Vergangenheit und Zukunft der asymmetrisch verflochtenen Transformation (Ost)Deutschlands. In: Leistner/Wohlrab-Sahr (Hrsg.): Das umstrittene Erbe von 1989. Köln/Weimar/Wien: Böhlau, S. 11-61

Leistner, Alexander (2021): "Denk an die Aufzeichnung!". In: Leistner/Wohlrab-Sahr (Hrsg.): Das umstrittene Erbe von 1989. Köln/Weimar/Wien: Böhlau, S. 166-170.

Leistner, Alexander (2021): „Le dictaphone“. In: Sociologie et sociétés (im Erscheinen).

Leistner, Alexander (2021): Hansjörg Weigel. In: Martin Langebach (Hrsg.): Zeitbild: Protest in Deutschland seit 1945. Bonn: Bundeszentrale für Politische Bildung, S. 168.

Leistner, Alexander (2021): 13.02.1982, Kerzen in Dresden. In: Langebach, Martin (Hrsg.): Zeitbild: Protest in Deutschland seit 1945. Bonn: Bundeszentrale für Politische Bildung, S. 260.

Leistner, Alexander (2021): Rez. zu Heiko Beyer; Annette Schnabel, Theorien Sozialer Bewegungen. Eine Einführung, Frankfurt/M.: Campus 2017. In: Soziologische Revue 44 (2), S. 307-311.

Lux, Anna & Alexander Leistner (2021):"Letztes Jahr Titanic". Untergegangene Zukünfte in der ostdeutschen Zusammenbruchsgesellschaft seit 1989/90. In: Historische Anthropologie 29 (1), S. 98-124.

Leistner, Alexander (2021): Oppositionelle Akteurskonstellationen im Herbst 1989 – Vorgeschichte und Nachleben. In: Kowalczuk, Ilko-Sascha; Ebert, Frank & Holger Kulick (Hrsg.): (Ost)Deutschlands Weg. 45 Studien und Essays zur Lage des Landes. Teil I – 1989 bis heute. Bonn, S. 11-27.

Leistner, Alexander (2021): Unabhängig vor und nach 1989. Entwicklungen der Friedensbewegung in Ostdeutschland. In: Wissenschaft & Frieden 39 (1), S. 45-48.

Leistner, Alexander (2020): Rez. zu Kowalczuk, Ilko-Sascha: Die Übernahme. Wie Ostdeutschland Teil der Bundesrepublik wurde. München  2019, In: H-Soz-Kult, 24.08.2020.

Jakob, Maria; Jukschat Nadine & Alexander Leistner (2020): "Aber manchmal habe ich schon diese Angst …". Paradoxien pädagogischen Handelns unter dem Vorzeichen von Versicherheitlichung (zusammen mit Maria Jakob & Nadine Jukschat) In: Zeitschrift für Pädagogik, Jahrg.: 66, H. 4, S. 500-518.

Erhard, Franz, Alexander Leistner und Alexander Mennicke (2019): "Soldiers for freedom, nation and blood" - Der Wandel von Anerkennungsordnungen kollektiver Gewaltausübung durch Fußballhooligans im Zuge der *GIDA-Bewegungen. In: Fußball und Gesellschaft 1 (1), S. 46-68.